Interview mit Vivian Baltes - Designerin von Vi2Vi

In diesem Interview erzählt die Designerin Vivian Baltes wie die Idee zu Vi2Vi entstanden ist und woher ihre Inspiration kommt. Sie spricht über ihre Erfahrungen und die Herausforderungen, aus Männerkleidung Damenmode nur zu kreieren.

3/5/202613 min read

Was fasziniert Sie an Vintage-Kleidung?

Der Nachhaltigkeitsfaktor. Gerade in der heutigen Zeit ist das ein großes Thema. Kleidung neu zu kaufen bedeutet oft, Ressourcen wie Wasser, Energie und Materialien zu verbrauchen und genau hier setzt Vintage an. Zudem, dass es alles Einzelstücke sind. Egal wo ich bin, ich weiß sicher, niemand trägt dasselbe Teil. Und zusätzlich: jedes Stück, das weitergetragen wird, muss nicht neu produziert werden. Außerdem gefällt mir der Gedanke, Kleidung ein zweites Leben zu geben. Dinge, die schon da sind, werden nicht weggeworfen, sondern geschätzt. Das macht Mode nicht nur individueller, sondern auch verantwortungsvoller.

Für wen ist Ihre Kleidung gedacht?

Die Kleidung von Vi2Vi richtet sich in erster Linie an Frauen, die Wert auf Individualität, Stil und Nachhaltigkeit legen. Aus ursprünglich Herrenanzügen entstehen bei uns Blazer, Kleider, Hosen, Röcke oder Jacken. Also einzigartige Stücke, die kein anderer so trägt. Wir möchten Frauen ansprechen, die zeitlose Eleganz mit einem modernen Touch schätzen und bewusst Mode wählen, die nachhaltig und besonders ist.

Welche Kundinnen sprechen Sie mit Ihren Kollektionen besonders an?

Unsere Mode richtet sich an alle, die Lust auf Individualität und ausgefallene Styles haben. Von Mitte 20 bis weit darüber hinaus. Für Business-Frauen, die morgens elegant im Anzug ins Büro gehen und abends auf der Afterwork-Party glänzen möchten. Für Studentinnen, die coole, auffällige Pieces lieben. Für alle, die ihren Alltag mit besonderen Looks bereichern wollen. Mode, die nicht nur für besondere Anlässe gedacht ist, sondern für jeden Tag.

Woher bekommen Sie die Anzüge und Kleidungsstücke, die Sie für Ihre Designs verwenden?

Das erste Stück war ein alter Burberry-Mantel aus dem Schrank meines Mannes. Ich habe den Mantel immer an ihm geliebt und fand es schade, dass er ungetragen im Schrank vergammelte. Immer wenn ich daran vorbeikam, fragte ich mich, wie viel Potenzial in diesem Stück noch steckt. Je länger er dort hing, desto stärker wurde in mir der Wunsch, ihn nicht einfach verstauben zu lassen, sondern ihm ein zweites Leben zu schenken. Die Vorstellung, aus etwas Vertrautem und Geliebtem etwas Neues entstehen zu lassen, ließ mich nicht mehr los. So wurde schließlich eine kurze Jacke daraus. Neu interpretiert und doch voller Vergangenheit. Von da an konnte ich nicht mehr aufhören. Erst folgten weitere Teile von ihm, dann brachten auch Freunde und Bekannte Kleidung vorbei. Jedes Mal, wenn ich ein Kleidungsstück in den Händen halte, spüre ich sofort: da steckt mehr drin, als man auf den ersten Blick sieht. Ich gehe gerne auf Flohmärkte, lasse mich dort treiben, entdecke Stücke, die auf den zweiten Blick ihr ganzes Potenzial zeigen. Speziellere Schätze suche ich auch im Internet, zum Beispiel über Stuffle. Mir gefällt das Konzept: gebrauchte Kleidung in allen möglichen Größen, die nur darauf wartet, neu zum Leben erweckt zu werden. Bei meinem Mann war die Auswahl irgendwann begrenzt. Bei solchen Plattformen finde ich dagegen immer wieder Stoffe, Muster und Schnitte, die mein Herz sofort höher schlagen lassen.

Was fasziniert Sie an Vintage-Kleidung?

Der Nachhaltigkeitsfaktor. Gerade in der heutigen Zeit ist das ein großes Thema. Kleidung neu zu kaufen bedeutet oft, Ressourcen wie Wasser, Energie und Materialien zu verbrauchen und genau hier setzt Vintage an. Zudem, dass es alles Einzelstücke sind. Egal wo ich bin, ich weiß sicher, niemand trägt dasselbe Teil. Und zusätzlich: jedes Stück, das weitergetragen wird, muss nicht neu produziert werden. Außerdem gefällt mir der Gedanke, Kleidung ein zweites Leben zu geben. Dinge, die schon da sind, werden nicht weggeworfen, sondern geschätzt. Das macht Mode nicht nur individueller, sondern auch verantwortungsvoller.

Für wen ist Ihre Kleidung gedacht?

Die Kleidung von Vi2Vi richtet sich in erster Linie an Frauen, die Wert auf Individualität, Stil und Nachhaltigkeit legen. Aus ursprünglich Herrenanzügen entstehen bei uns Blazer, Kleider, Hosen, Röcke oder Jacken. Also einzigartige Stücke, die kein anderer so trägt. Wir möchten Frauen ansprechen, die zeitlose Eleganz mit einem modernen Touch schätzen und bewusst Mode wählen, die nachhaltig und besonders ist.

Welche Kundinnen sprechen Sie mit Ihren Kollektionen besonders an?

Unsere Mode richtet sich an alle, die Lust auf Individualität und ausgefallene Styles haben. Von Mitte 20 bis weit darüber hinaus. Für Business-Frauen, die morgens elegant im Anzug ins Büro gehen und abends auf der Afterwork-Party glänzen möchten. Für Studentinnen, die coole, auffällige Pieces lieben. Für alle, die ihren Alltag mit besonderen Looks bereichern wollen. Mode, die nicht nur für besondere Anlässe gedacht ist, sondern für jeden Tag.

Woher bekommen Sie die Anzüge und Kleidungsstücke, die Sie für Ihre Designs verwenden?

Das erste Stück war ein alter Burberry-Mantel aus dem Schrank meines Mannes. Ich habe den Mantel immer an ihm geliebt und fand es schade, dass er ungetragen im Schrank vergammelte. Immer wenn ich daran vorbeikam, fragte ich mich, wie viel Potenzial in diesem Stück noch steckt. Je länger er dort hing, desto stärker wurde in mir der Wunsch, ihn nicht einfach verstauben zu lassen, sondern ihm ein zweites Leben zu schenken. Die Vorstellung, aus etwas Vertrautem und Geliebtem etwas Neues entstehen zu lassen, ließ mich nicht mehr los. So wurde schließlich eine kurze Jacke daraus. Neu interpretiert und doch voller Vergangenheit. Von da an konnte ich nicht mehr aufhören. Erst folgten weitere Teile von ihm, dann brachten auch Freunde und Bekannte Kleidung vorbei. Jedes Mal, wenn ich ein Kleidungsstück in den Händen halte, spüre ich sofort: da steckt mehr drin, als man auf den ersten Blick sieht. Ich gehe gerne auf Flohmärkte, lasse mich dort treiben, entdecke Stücke, die auf den zweiten Blick ihr ganzes Potenzial zeigen. Speziellere Schätze suche ich auch im Internet, zum Beispiel über Stuffle. Mir gefällt das Konzept: gebrauchte Kleidung in allen möglichen Größen, die nur darauf wartet, neu zum Leben erweckt zu werden. Bei meinem Mann war die Auswahl irgendwann begrenzt. Bei solchen Plattformen finde ich dagegen immer wieder Stoffe, Muster und Schnitte, die mein Herz sofort höher schlagen lassen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Kleidungsstücke aus, die Sie umarbeiten?

Ich achte darauf, verschiedene Größen anzubieten. Nicht nur Größe 36, sondern auch bis zu Größe 46, damit jede etwas Passendes findet. Mir sind hochwertige Materialien sehr wichtig. Ich verzichte bewusst auf Fast-Fashion-Teile und setze auf Marken, die Qualität liefern und oft auch nachhaltig arbeiten. Besonders schätze ich Naturstoffe, die langlebig sind und sich für eine Umarbeitung sinnvoll eignen. Dazu gehören Schurwolle, Kaschmir, Seide, Leinen oder hochwertige Baumwolle. Diese Materialien sind nicht nur angenehm zu tragen, sie behalten auch nach Jahren ihre Form und Qualität.

Welche Herausforderungen gibt es, wenn man ausschließlich vorhandene Materialien nutzt?

Wenn ich ein Design im Kopf habe, sehe ich das fertige Kleidungsstück fast wie ein Bild vor mir. Aber wenn ich dann mit dem Stoff arbeite, merkt man schnell, dass Ideen und Realität manchmal nicht zusammenpassen. Ein Stoff kann zum Beispiel zu dick oder zu unflexibel sein, sodass sich der Schnitt, den ich mir vorgestellt habe, nicht umsetzen lässt. Oder der Schnitt selbst funktioniert mit dem gewählten Material einfach nicht so, wie ich es mir gedacht habe. Die Herausforderung besteht darin, mehrere Schritte miteinander zu verbinden. Zuerst hat man die Vorstellung im Kopf, also die Idee vom fertigen Kleidungsstück. Dann überträgt man diese Idee auf Papier in Form von Schnittmustern, die wie Baupläne für die einzelnen Stoffteile sind. Am Ende muss auch der echte Stoff genau dazu passen. Nur wenn all das aufeinander abgestimmt ist, ergibt sich ein Kleidungsstück, das zusammenpasst und tragbar wird.

Wie gehen Sie dann vor, wenn das Design mit dem vorhandenen Material nicht funktioniert?

Manches klappt sofort, ganz ohne Probleme. Andere Teile brauchen mehrere Versuche. Dann verbringe ich viel Zeit bei meiner Schneiderin. Wir probieren aus, ändern Details und passen an, bis alles stimmt. So wird die Kleidung am Ende auch wirklich alltagstauglich. Ich schätze sie sehr. Sie ist unglaublich flexibel, arbeitet mit viel Erfahrung und Kreativität und hilft mir, jede Idee genau so umzusetzen, wie ich sie mir vorstelle. Ohne ihre Unterstützung wären viele Stücke bei Vi2Vi nicht möglich.

Was machen Sie, wenn eine Idee gar nicht mehr umgesetzt werden kann?

Bei Vi2Vi wird nichts weggeworfen. Aus jedem Stück entsteht etwas Neues. Ein Beispiel: Aus einem Sakko sollte eigentlich ein Wendeblazer werden, den man von vorne und hinten tragen kann. Das hat sich aber als unmöglich herausgestellt. Also musste ich mir etwas Neues überlegen. Nach mehreren Terminen bei meiner Schneiderin entstand schließlich ein ganz anderes Kleidungsstück: ein Bandeau-Kleid. Dank ihrer Erfahrung und Flexibilität konnten wir die Materialien optimal nutzen. Bisher ist es immer gelungen, dass nichts verschwendet wird.

Arbeiten Sie alleine oder unterstützt Sie ein Team?

Die Designs stammen alle von mir persönlich. Aber für die Umsetzung bin ich auf ein Team angewiesen. Alleine wäre das unmöglich. Wie bereits erwähnt, arbeite ich besonders eng mit meiner Schneiderin zusammen. Zusätzlich werde ich von einer Kommunikationsagentur unterstützt, die sämtliche Aufgaben rund um Website, Fotoshootings und Kommunikation übernimmt.

Woher kommen Ihre Inspirationen?

Die Ideen entstehen nicht, weil ich etwas Bestimmtes sehe. Sie treten spontan auf, manchmal wie aus dem Nichts. Ich weiß selbst nicht, woher sie plötzlich auftauchen. Abends auf dem Sofa oder im Bett, manchmal während ich am Handy etwas betrachte – plötzlich formt sich ein Design in meinem Kopf. Ich habe immer ein Zeichenbuch griffbereit, um es sofort festzuhalten.

Wie läuft der Prozess von einem gebrauchten Herrenanzug bis hin zu einem fertigen Damenoutfit ab?

Am Anfang steht immer eine Idee. Danach beginnt die Suche nach dem passenden Kleidungsstück. Meistens sehe ich mir mehrere Stücke an, lege sie nebeneinander und überlege, welcher Schnitt, welcher Stoff oder welche Details sich am besten für meine Vorstellung eignen. Dieser Schritt nimmt oft viel Zeit in Anspruch, denn das richtige Kleidungsstück bildet die Grundlage für alles, was danach folgt. Wenn ich mich schließlich entschieden habe, bringe ich das ausgewählte Stück zunächst in die Reinigung. Danach geht es zu meiner Schneiderin, die meine Entwürfe kennt und mit mir gemeinsam den nächsten Schritt macht. Wir legen meine Skizze daneben, sprechen über die Wirkung, die ich mir vorstelle, und beginnen dann, den Anzug aufzutrennen.

Kann man also sagen, dass auf einen kreativen Prozess ein handwerklicher folgt?

Ja, so kann man das sagen. Denn es wird Naht für Naht vorsichtig gelöst, bis sich die einzelnen Teile voneinander trennen lassen. In dieser Phase steckt besonders viel handwerkliches Geschick. Wir stecken die neuen Linien ab, verschieben einzelne Elemente, probieren Varianten aus und achten darauf, dass die Form nicht nur interessant aussieht, sondern auch im Alltag tragbar bleibt. Ich teste zwischendurch immer wieder, wie sich das Ganze anfühlt, ob die Kleidung tragbar ist, ob Proportionen und Silhouette stimmen. Oft braucht es mehrere Korrekturen, bis alles harmoniert. Erst wenn alle Details meiner Vorstellung entsprechen, beginnt das eigentliche Nähen. Aus dem zum Beispiel zerlegten Oberteil entsteht dann Schritt für Schritt ein neues Kleidungsstück, das ein neues Leben eingehaucht bekommt. Vom ersten Skizzenstrich bis hin zum fertigen Stück können so mehrere Wochen vergehen, manchmal sogar Monate. Ein Prozess voller kleiner Entscheidungen, Zwischenschritte und Überraschungen. Doch gerade dieses Wachsen und Verwandeln macht den Reiz für mich aus.

Was sagen Ihre Kundinnen, dass ihr neues Kleidungsstück zum Beispiel einmal ein Herrenanzug war?

Ich bekomme nur positives Feedback. Meine Kundinnen finden die Idee richtig cool. Für sie spielt es keine Rolle, dass die Stücke einmal aus Herrenmode entstanden sind. Am Ende ist es ein komplett neues Kleidungsstück. Man weiß es zwar, aber man erkennt es nicht. Meine Freundinnen waren meine ersten Kundinnen. Sie stehen mir auch oft beratend zur Seite und unterstützen mich zusätzlich als Models.

Welches Kleidungsstück bei Vi2Vi erzählt für Sie persönlich eine besondere Geschichte?

Ganz klar der alte Burberry-Mantel meines Mannes. Ein Stück, das so viel Charakter hat und der Grundstein für meine Idee war. Es gibt jedoch noch ein weiteres Kleidungsstück, das für mich persönlich sehr bedeutsam ist. Der schwarze Anzug meines Vaters. Er hat ihn bei meiner Hochzeit getragen. Einem der schönsten und emotionalsten Tage meines Lebens. An diesem Tag war er stolz und voller Freude, während er an meiner Seite stand und mich auf diesem besonderen Lebensabschnitt begleitete. Für mich ist es ein sehr emotionales Kleidungsstück, fast wie ein Stück gelebter Erinnerung, das die Momente dieses unvergesslichen Tages in sich trägt. Es wäre traurig gewesen, wenn dieser Anzug einfach nur im Schrank hängen geblieben und in Vergessenheit geraten wäre. Deshalb war es mein Herzenswunsch ihn neu zu interpretieren. Aus dem Anzug wurde ein Businessoutfit für Frauen. Eine lange Hose mit seitlich geschlitzten, aufgesetzten Streifen, ein langer Blazer mit aufgesetztem Streifen sowie ein Bandeau-Oberteil mit Raffung am Rücken. Dieses Outfit erzählt die Geschichte weiter und gibt mir jedes Mal das Gefühl, dass die Erinnerung nie verblassen wird.

Was war das älteste Kleidungsstück, was Sie bisher umgearbeitet haben?

Die graue Hose meines Schwiegervaters – über 50 Jahre alt. Allein die Zahl beeindruckt und die Verarbeitung zeigt, dass sie für die Ewigkeit gemacht war. Ich habe aus ihr ein völlig neues Ensemble geschaffen Eine locker geschnittene Shorts mit tiefem Bund und ein Oberteil aus Stücken der Hose, das sich überkreuzt und die Schultern frei lässt. Das Ergebnis ist modern und trotzdem gezeichnet von der Geschichte des Stoffes. Für mich steckt darin alles, was ich an meiner Arbeit liebe: Emotionen, Nachhaltigkeit und Kreativität.

Gibt es ein bestimmtes Kleidungsstück, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist, weil seine Verwandlung so außergewöhnlich war?

Tatsächlich handelt es sich um ein Kleidungsstück, das erst vor kurzem entstanden ist. Aus einer Hose wurde ein Oberteil. Die Hosenbeine wurden in Ärmel umgewandelt und der Reißverschluss zu einem Teil des Rückenausschnitts. Diese Verwandlung war schon spannend. Aber ein anderes Projekt war noch außergewöhnlicher. Aus einer Hose entstand eine Tasche. Dabei wurde etwas wirklich völlig Neues kreiert, nicht nur im Design, sondern auch in der Funktionalität. Diese Erfahrung hat mich stark inspiriert und völlig neue kreative Wege eröffnet. Ich bin sicher, dass in der Zukunft noch viele weitere überraschende und originelle Transformationen folgen werden.

Ihre Mode übersetzt klassische Männermode in Damenlooks. Welche Botschaft senden Sie damit an Frauen von heute?

Frauen können heute alles. Wirklich alles. Es gibt keine Grenzen, keine unsichtbaren Schranken, die sie aufhalten könnten. Manchmal muss man sich nur trauen, diese Stärke auch zu zeigen und selbstbewusst zu sein. Meine Mode ist mehr als Kleidung. Sie ist durchaus auch ein Statement, denn sie ist geschlechterübergreifend. Mode kann empowern und Selbstbewusstsein geben.

Gibt es für Sie auch die Vision Kleidungsstücke jenseits der klassischen Geschlechtergrenzen zu gestalten?

Derzeit liegt mein Fokus ganz bewusst auf Frauen. Ihre Individualität, ihr Stil, ihre Ausdruckskraft stehen im Mittelpunkt meiner Arbeit. Gleichzeitig können meine Stücke alle Personen tragen, die sich von ihnen angesprochen fühlen. Ich kann mir vorstellen, dass ich in der Zukunft auch Designs für Männer kreiere. Vor allem, weil ich langfristig gesehen, die Grenzen zwischen Männer- und Frauenmode öffnen und verschwimmen lassen möchte. Mode soll so frei und offen sein, genau wie die Menschen, die sie tragen.

Glauben Sie, dass Slow Fashion langfristig eine echte Alternative zur Fast-Fashion-Industrie werden kann?

Ich hoffe sehr, dass sich diese Entwicklung weiterhin in die richtige Richtung bewegt. Genau das war auch meine Motivation, bewusst auf Fast-Fashion-Materialien zu verzichten. Fast Fashion steht für kurzlebige Trends, Massenproduktion und immense Umweltbelastungen. Ein System, das Ressourcen verschwendet und oft unter unfairen Arbeitsbedingungen produziert. Indem ich bewusst nachhaltige Materialien wähle, möchte ich ein Zeichen setzen. Auch wenn dies Fast Fashion nicht vollständig ablösen wird, kann es dazu beitragen, dass diesem Thema mehr Gewicht verliehen wird und ein größeres Bewusstsein entsteht. Dieses Bewusstsein sollte jedoch nicht nur auf den Bereich Mode beschränkt sein. Auch in anderen Lebensbereichen ist es wichtig, achtsam und verantwortungsvoll zu handeln. Sei es bei Lebensmitteln, Konsumgütern oder alltäglichen Entscheidungen. Jede bewusste Handlung kann dazu beitragen, langfristige Veränderungen zu bewirken und nachhaltige Alternativen zu stärken.

Inwiefern unterscheidet sich Ihre Arbeit von klassischen Recycling- oder Second-Hand-Konzepten?

Bei Vi2Vi geht es nicht einfach um Second-Hand oder Wiederverwendung. Klassischer Second-Hand bedeutet meist nur, dass Kleidungsstücke gereinigt oder aufbereitet werden, bevor sie erneut in den Verkauf gelangen. Sie bleiben im Grunde genommen unverändert. Es ist eine Weiterverwendung, aber auch nicht mehr. Bei Vi2Vi entsteht etwas völlig Neues. Jedes Stück wird verändert und neu interpretiert. Es wird nicht einfach nur weiterverkauft, sondern zu einem einzigartigen Unikat umgestaltet. Jedes Kleidungsstück erhält durch den kreativen Prozess einen neuen, individuellen Charakter. So verbinden wir Nachhaltigkeit mit Kreativität.

In welchen Bereichen außerhalb von Fashion sollte Nachhaltigkeit zusätzlich an Bedeutung gewinnen?

Mein Schwerpunkt lag bisher stark auf Mode. Allerdings betrifft dieses Thema weit mehr als nur Kleidung. Es ist relevant für alle Generationen, von jungen Menschen bis hin zu älteren. Ein zentrales Anliegen ist das nachhaltige Denken im Umgang mit Konsumgütern. Anstatt Dinge einfach wegzuwerfen, sollten sie wiederverwendet werden. Ein anschauliches Beispiel dafür sind Möbel oder Fahrräder. Alte Möbelstücke müssen nicht auf dem Müll landen, sondern können durch Upcycling neu gestaltet und funktional genutzt werden. Ebenso verhält es sich mit Fahrrädern. Anstatt ständig neue Modelle zu kaufen, können gebrauchte Fahrräder sorgfältig aufgearbeitet werden. Dabei werden sowohl Technik als auch Design berücksichtigt. So zum Beispiel wird bei alten Fahrrädern die angesehene Retro-Optik beibehalten und sie werden wieder nutzbar gemacht. Auf diese Weise entstehen einzigartige, wiederverwendbare Produkte, die nicht nur Ressourcen sparen, sondern auch Kreativität und Individualität fördern. Solche Ansätze zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht Verzicht bedeutet, sondern vielmehr neue Möglichkeiten eröffnet. Es geht darum, die Menschen zu inspirieren und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass bewusster Konsum in allen Bereichen – von Mode über Möbel bis hin zu Alltagsgegenständen – sinnvoll und attraktiv sein kann.

Welche Veränderung wollen Sie mit Vi2Vi schaffen?

Ich möchte ein Umdenken anstoßen. Es muss nicht immer das neueste Designerkleid sein. Ein Kleid, das man nur zweimal trägt, verliert schnell seinen Wert, wenn es ungenutzt im Schrank hängt. Besser ist es, solche Stücke bewusst zu verwenden oder kreativ in etwas Neues zu verwandeln. Es ist sinnvoller, ein einzelnes und durchdacht ausgewähltes Kleidungsstück zu besitzen, als viele unbewusst anzuhäufen. Gleichzeitig lohnt es sich, kleine Unternehmen und Start-ups zu unterstützen, die individuelle und nachhaltige Produkte anbieten. So fördern wir Vielfalt, Kreativität und einen bewussteren Umgang mit Mode. Letztlich geht es darum, unseren Konsum zu überdenken, Verantwortung zu übernehmen und Nachhaltigkeit im Alltag zu stärken. Jeder kleine Schritt zählt und kann eine große Wirkung haben.